Albert Schweitzer kam bis Kelsterbach

Menschlichkeit oder Albert Schweitzer kam bis Kelsterbach

Betrachtung zum Brief Albert Schweitzers von 1956 an die Stadt Kelsterbach

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Am 9. Juni 1956 schrieb Albert Schweitzer einen Brief an die Stadt Kelsterbach anlässlich der Namensgebung der Albert-Schweitzer-Straße. Darin zeigt sie eine direkte Verbindung Schweitzers zu Kelsterbach und auch, dass er immerhin auf seinen Zugfahrten zwischen Frankfurt und Mainz durch Kelsterbach gekommen sein muss. Ein kleines Zeitdokument einer, wenn auch nur flüchtigen, Berührung des damals auf dem Höhepunkt seines Weltruhmes stehenden Humanisten mit Kelsterbach. „Albert Schweitzer kam bis Kelsterbach“ weiterlesen

Brief Albert Schweitzers an die Stadt Kelsterbach 1956 – Transkription

An den Herrn Bürgermeister
der Stadt Kelsterbach am Main,
Herrn Scherer

Dr. Albert Schweitzer
Lambarene. Gabun
Franz. Aequatorial[a]frika
Juni 1956

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

Sie und der Magistrat der Stadt tun mir die Ehre an, eine Strasse im neuen Umlegungsgebiet nach mir zu benennen zu wollen [sic!]. Ich danke Ihnen dafür und gebe Ihnen gerne meine Einwilligung. Ich finde es schön, dass die Strasse der Kirchen nach mir heißt. Wenn man fern in der Welt lebt, wo keine Kirchen sind, dann weiss man es zu schätzen, dass in der europäischen Heimat, die Häuser sich um die Kirche schaaren [sic!] und am Sonntag die Glocken zum Kirchgang einladen. Mögen die Kirchen dem neuerstehenden Stadtteil zum Segen gereichen.

Ich schreibe in der Nacht nach einem schweren Tag. Wollen Sie, bitte, den Herren des Stadtrats, den Herren der Geistlichkeit und der Einwohnerschaft meine besten Grüsse ausrichten. Nun hab ich den grossen Atlas vom Schaft gelangt und auf den ersten Blick Kelsterbach gefunden. Die Strecke Frankfurt Mainz habe ich so manchesmal zurück gelegt, als ich noch Zeit hatte zu reisen. Die liebliche Landschaft ist mir in Erinnerung geblieben. Lassen Sie mich, bitte wissen, wann die Strasse eingeweiht wird, damit ich in der Ferne in Gedanken dabei bin. Mit besten Gedanken, gestern hier angekommen:

Ihr ergebener Albert Schweitzer „Brief Albert Schweitzers an die Stadt Kelsterbach 1956 – Transkription“ weiterlesen

Der Orgelfachmann und Bach-Interpret Albert Schweitzer und mein Weg zur Orgel (II)

(erschienen im 49. „Rundbrief für alle Freunde von Albert Schweitzer“, Mai 1980)

Dem Andenken von Prof. Dr. Erwin R. Jacobi (1909-79) gewidmet
(Die Kerngedanken dieses Aufsatzes veröffentlichte Rainer Noll erstmals im „Schweizerischen Reformierten Volksblatt“ Nr. 17, 107. Jahrgang; Basel, 8. November 1973)

Teil II: DER BACH-INTERPRET – VERSUCH EINER DEUTUNG

„Der Orgelfachmann und Bach-Interpret Albert Schweitzer und mein Weg zur Orgel (II)“ weiterlesen

Der Orgelfachmann und Bach-Interpret Albert Schweitzer und mein Weg zur Orgel (I)

(erschienen im 48. „Rundbrief für alle Freunde von Albert Schweitzer“, November 1979)

Dem Andenken von Prof. Dr. Erwin R. Jacobi (1909-79) gewidmet
(Die Kerngedanken dieses Aufsatzes veröffentlichte Rainer Noll erstmals im „Schweizerischen Reformierten Volksblatt“ Nr. 17, 107. Jahrgang; Basel, 8. November 1973)

Teil I: DER ORGELFACHMANN – EINE DOKUMENTATION

„Der Orgelfachmann und Bach-Interpret Albert Schweitzer und mein Weg zur Orgel (I)“ weiterlesen

Im Geiste Silbermanns

Einige Thesen zum Thema

Albert Schweitzer und die Silbermann-Orgel

(für „organ“ 2/98)

1) Die Begegnung mit einigen älteren Orgeln, die Albert Schweitzer im Elsaß in seiner Jugend kennengelernt hatte, nährten seine Zweifel in Bezug auf den Orgelbau seiner Zeit. Zu nennen sind hier u. a. die Walcker-Orgeln in St. Stephan zu Mülhausen (1866) und in der Ev. Kirche zu Münster (1873). Dieser Anstoß führte schließlich zur „Elsässischen Orgelreform“, die nach dem Ersten Weltkrieg in der „Orgelbewegung“ weitergeführt wurde (jedoch mit veränderter Zielsetzung).

2) Einige dieser alten Orgeln waren ursprünglich im 18. Jahrhundert von der im Elsaß wirkenden Orgelbauerfamilie Silbermann erbaut worden (z. B. in St. Matthäus zu Colmar und in St. Thomas, St. Aurelien, St. Wilhelm und St. Nikolaus zu Straßburg). Zu Schweitzers Zeit befand sich keine dieser Orgeln mehr im Originalzustand. Sie hatten z. T. erhebliche Änderungen und Erweiterungen im Sinne des 19. Jahrhunderts erfahren (z. B. Vermehrung der 8′-Register, erweiterter Ausbau des Pedals, Ersetzung des Echo-Werks durch ein vollständiges III. Klavier oder ein Schwellwerk, Wegfall des Rückpositivs). „Im Geiste Silbermanns“ weiterlesen